Schwimmerstand
einstellen
|
Die Messung des Schwimmerstandes gehört zu den
ungeliebten und oft falsch verstandenen Tätigkeiten.
Das ist kein Wunder, denn einerseits ist es eine
fummelige Angelegenheit und andererseits werden die
Arbeiten teilweise missverständlich oder sogar
falsch beschrieben.
Wer den
Schwimmerstand beispielsweise nach den Angaben
bestimmter Reparaturanleitungen aus dem freien Handel (z.B.
Haynes, Bucheli oder Motorbuchverlag) einstellt und
den begleitenden Text nicht richtig liest, kann unwissentlich einen
kapitalen Bock schießen. Doch auch die
Original-Wartungsanleitungen von SUZUKI sind nicht
frei von ungenauen Beschreibungen.
Wer weiß, wie viele Hobby- und
Profi-Schrauber darauf schon hereingefallen sind,
und wie viele Kolben, Zylinder oder Ventile deshalb ein
vorzeitiges Ende nahmen. Da gerade Zweitakter
sehr empfindlich darauf reagieren, wurde schon
vermutet, dass die Viertakt-Lobby große Summen an die
Verlage fließen ließ, um durch Weglassen dieser
Information den Ruf des Zweitakters zu ruinieren.
Das sind natürlich böse Gerüchte, denn auch die
Viertakter leiden, wenn der Schwimmerstand nicht den
Vorgaben entspricht.
|
 |
Funktion
des Schwimmers
Um zu verstehen, warum eine exakte Einstellung
so wichtig ist, muss man sich fragen, wozu ein
Schwimmer eigentlich gut ist.
Er soll ein
konstantes Benzinniveau in der Schwimmerkammer
sicherstellen. Der Schwimmer (SW) ist gelenkig
am Vergasergehäuse aufgehängt. Fließt
Kraftstoff in die Schwimmerkammer, schwimmt er
auf, schließt irgendwann über eine Hebellasche
das Nadelventil (N) und die Kraftstoffzufuhr
wird unterbrochen. Sinkt hingegen der
Kraftstoffstand, wird auch der Schwimmer nach
unten bewegt, gibt das Schwimmernadelventils
wieder frei und es kann Kraftstoff nachfließen.
Durch
permanentes Öffnen und Schließen des
Nadelventils wird das Benzinniveau also konstant gehalten.
Das ist wichtig, denn wäre es zu hoch, reichert
sich das Gemisch an und der Motor läuft zu
fett. Bei zu geringem Kraftstoffstand wird das
Gemisch abgemagert und es drohen Motorschäden.
|
|
Um den Schwimmerstand und damit das Kraftstoffniveau
einzustellen, muss man also die Hebellasche so
justieren, dass die Ventilnadel gerade geschlossen
ist. Das ist wegen ihrer Konstruktion schwieriger, als
man denkt.
Wäre nun diese
Ventilnadel einteilig und starr - es gibt
Vergaser, die solche Nadeln haben - wäre das
Ventil geschlossen, wenn der Schwimmer satt auf
der Ventilnadel aufliegt. Bei den meisten
japanischen Vergasern ist das Nadelventil jedoch nicht einteilig und starr,
sondern es besitzt einen federnd gelagerten
Stift, der etwaige Stöße und Vibrationen
kompensieren soll. Die Federkraft ist in der
Normalbewegung groß genug, dass der Stift noch minimal in die Ventilnadel
einfedert, wenn sich der
Schwimmer hebt und gegen die Ventilnadel
drückt, um sie nach oben zu bewegen. Das
bedeutet, dass die Ventilnadel schon früh gegen den Sitz
drückt, obwohl der Schwimmer noch einen kleinen Weg
zurücklegen kann. Wird bei der Einstellung der Schwimmerposition
das Vorhandensein der Feder jedoch nicht
berücksichtigt, kommt es leicht zu Fehlern.
|
 |
Kontrolle
mit montierten Vergasern
Die beste Art den Schwimmerstand zu
kontrollieren, ist die Verwendung eines
Messgerätes, welches an der Ablassschraube der
Schwimmerkammer angebracht wird.
In einem transparenten Röhrchen, kann man den
Abstand des Benzinniveaus von der Dichtfläche
zwischen Vergaserkörper und Schwimmerkammer
ablesen. Das Maß (S) berücksichtigt alle
Einflüsse der filigranen Schwimmermechanik,
also auch den der Feder im Nadelventil.
Das Messgerät ist ein Spezialwerkzeug und die
Messung wird im Leerlauf durchgeführt. Den Kauf
dieses Gerätes kann man sich ersparen, denn es
lässt sich auch aus ein paar selbst gedrehten
Fittings und einem transparenten Benzinschlauch
selbst herstellen.
Ist der Schwimmerstand nicht im spezifizierten
Bereich, muss er korrigiert werden - das macht
mehr Arbeit.
|
|
|
|
 |
Einstellung
und Kontrolle mit demontierten Vergasern
Die Einstellung, aber auch eine Kontrolle kann
man durchführen, wenn die Vergaser ausgebaut
und der Schwimmerkammerdeckel entfernt wurde.
Und jetzt heißt es aufpassen:
Das Maß (H) für die Niveaueinstellung ist die ausgefederte Länge
des Nadelventils, da das Benzinniveau in der
Kammer nicht mehr ansteigt, wenn das Ventil
schließt. Dreht man aber nun den Vergaser auf
den Kopf, um die Einstellung vorzunehmen, wird die
Feder in der Nadel schon durch das Eigengewicht
des Schwimmers komprimiert. "H"
erscheint zu niedrig, da die in der Ventilnadel
verschwundenen Millimeter des Stifts fehlen.
Also biegt man die Lasche (L) nach
unten, um den Schwimmer wieder
auf den gewünschten Abstand zu bekommen. Im
normalen Einbauzustand schließt nun das Schwimmernadelventil um dieses
Stück früher, sprich in Millimetern Federweg
des Stiftes.
|
|
Das ergibt ein zu niedriges
Benzinniveau, welches wiederum zu einem
mageren Gemisch führt - ein Motorschaden ist
praktisch vorprogrammiert.
Das bringt uns wieder zu dem eingangs erwähnten
Problem mit den Reparaturanleitungen. Bei bestimmten,
älteren Ausgaben ist eine Zeichnung zu sehen, welche den Vergaser auf dem Kopf
stehend und mit abgenommener Schwimmerkammer zeigt. Dazu
gibt es eine Maßangabe, welche die Höhe des
Schwimmerniveaus bei voll aufliegendem Schwimmer
angibt. Dummerweise fehlen bei einigen Modellen auch die Angaben
zu den Messpunkten - ob nun
von der Dichtfläche oder vom Bund zu messen
ist, ob mit oder ohne Dichtung. Der Fehler liegt darin,
dass die Beschreibungen teilweise ohne
Prüfung übernommen wurden. Die Bucheli-Reparaturanleitung ist eine Übersetzung des
englischen Haynes Manuals und wenn in diesem der Fehler
enthalten war, wird er weitergegeben. Vielleicht lag
das SUZUKI-Originalhandbuch nicht vor oder man
hat es nicht richtig gelesen.
Stellt man nun den
Schwimmer auf dieser Basis ein, bekommt man ein zu niedriges
Schwimmerniveau. Doch wie macht man es richtig?
In den SUZUKI-Werkstatthandbüchern werden zwei
Methoden beschrieben. Die jüngere gilt für unsere
Viertakter.
Messung und Justierung mit
senkrecht stehenden Vergasern
Stehen die Vergaser auf dem Kopf, wie dargestellt,
sollte man den Schwimmer erst anheben und dann solange
senken, bis er den Stift des Nadelventils gerade eben
berührt. Es darf also nicht einfedern. In dieser
Stellung wird der Abstand vom Schwimmerkörper bis zur
Dichtfläche der Schwimmerkammer gemessen - und zwar
ohne eingelegte Dichtung!
Ist das Maß (H) nicht in Ordnung, kann man die Lasche
(L) des Schwimmerhebels zur Einstellung vorsichtig
verbiegen. In der gezeigten Vergaserposition bedeutet
Hochbiegen eine kleineres Maß H (später hoher
Schwimmerstand) und Herunterbiegen ein größeres
(später niedriger Schwimmerstand).
|
 |
Messung und Justierung
mit gekippten Vergasern
In der Literatur für die GT-Zweitakter wird ein
etwas anderes Verfahren beschrieben.
Der Vergaser wird um
90° gedreht, so dass der Schwimmer an seiner
Aufhängung senkrecht nach unten hängt. Dann
drehe man den Vergaser um weitere ca. 30°, so
wie dargestellt, bis
der Schwimmer leicht auf dem Stift der
Ventilnadel aufliegt. In dieser Position ist zu
messen. Auch hier gilt, dass ohne
Dichtung und von der Dichtfläche aus zu messen
ist.
Welche Methode letztendlich verwendet wird, ist
egal. Wichtig ist nur: Stets sicherstellen, dass
die Feder des Nadelventils nicht belastet wird und
dass zur blanken Dichtfläche hin gemessen wird.
|
|
Na, dann kann es ja losgehen. Hier sind einige Einstelldaten
zusammengetragen und wie immer ohne Gewähr. Im Zweifelsfall hilft ein
Blick in die SUZUKI-Handbücher.
| Modell |
Modelljahr |
Prüf-/Leerlaufdrehzahl
[1/min] |
Vergasertyp |
S [mm] |
H [mm] |
| GS 400 |
1977-1980 |
1.100 - 1.200 |
BS 34 SS |
6,5 ± 0,5 |
26,3 ± 1,0 |
| GS 450 |
1980 |
1.100 - 1.300 |
BS 34 SS |
6,5 ± 0,5 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 450 |
1981-1989 |
1.150 - 1.250 |
BS 34 SS |
6,5 ± 0,5 |
26,6 ± 1,0 |
| GS 500 |
1977-1979 |
1.000 - 1.100 |
VM 22 SS |
3,0 - 4,0 |
26,0 ± 1,0 |
| GS 500-4 |
1980-1982 |
1.000 - 1.200 |
BS 32 SS |
5,0 + 0,5 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 500-2 |
1989- |
1.100 - 1.300 |
BST 33 SS |
|
14,6 ± 1,0 |
| GS 550 |
1977-1979 |
1.000 - 1.100 |
VM 22 SS |
3,0 - 4,0 |
26,0 ± 1,0 |
| GS 550 |
1980-1982 |
1.000 - 1.200 |
BS 32 SS |
5,0 + 0,5 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 650 E |
1981-1983 |
1.050 - 1.150 |
BS 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 650 G |
1981-1982 |
1.000 - 1.200 |
BS 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 750 |
1977-1979 |
1.000 - 1.100 |
VM 26 SS |
3,0 ± 0,5 |
26,0 ± 1,0 |
| GS 850 |
1979 |
1.000 - 1.100 |
VM 26 SS |
4,0 ± 1,0 |
24,0 ± 1,0 |
| GS 850 |
1980-1986 |
1.050 - 1.150 |
BS 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GS 1000 |
1978-1979 |
900 - 1.100 |
VM 28 SS |
4,0 ± 1,0 |
24,0 ± 1,0 |
| GS 1000 |
1980-1981 |
950 - 1.150 |
BS 34 SS |
4,0 ± 1,0 |
24,0 ± 1,0 |
| GS 1100 |
1981-1986 |
950 - 1.150 |
BS 34 SS |
5,0 + 0,5 |
22,4 ± 1,0 |
| GSX 250 |
1980-1984 |
1.150 - 1.350 |
BS 30 SS |
4,0 + 0,5 |
21,4 ± 1,0 |
| GS(X) 300 |
1982-1983 |
1.150 - 1.350 |
BS 30 SS |
4,0 ± 0,5 |
21,4 ± 1,0 |
| GSX 400 |
1980-1981 |
1.050 - 1.150 |
BS 34 SS |
5,0 ± 0,5 |
22,4 ± 1,0 |
| GSX 400 |
1982 |
1.000 - 1.200 |
BS 34 SS |
4,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GSX 400 |
1983-1984 |
1.000 - 1.200 |
BS 34 SS |
4,0 ± 1,0 |
23,0 ± 1,0 |
| GSX 400 |
1985-1989 |
1.000 - 1.200 |
BS 34 SS |
4,0 ± 0,5 |
23,0 ± 1,0 |
| GSX 750 |
1981-1983 |
1.050 - 1.150 |
BS 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GSX 1000 S |
1981-1983 |
1.050 - 1.150 |
VM 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GSX 1100 |
1981-1983 |
1.050 - 1.150 |
BS / VM 32 SS |
5,0 ± 1,0 |
22,4 ± 1,0 |
| GT 125 |
1973-1979 |
1.100 - 1.200 |
VM 18/19 SC |
|
19,9 |
| GT 185 |
1973-1979 |
1.100 - 1.200 |
VM 18/19 SC |
|
19,9 |
| GT 250 |
1971-1977 |
1.100 - 1.200 |
VM 24 SH |
|
25,7 |
| GT 380 |
1972-1978 |
1.100 - 1.200 |
VM 24 SC |
|
24,3 |
| GT 750 |
1971- |
1.100 - 1.200 |
VM 32 SC |
|
27,0 ± 1,0 |
|
Dieser Text basiert auf einer Beschreibung von Mario von der Website
wbcnet.de,
der mir die freundliche Genehmigung gegeben hat, das
Material zu verwenden.
© Mario & Michael (09.01.19
) [Start]
|